**Persönliche Geschichtsreise: Paloma Varga Weisz eröffnet Synagogenprojekt**
Synagogenprojekt: Familiengeschichte im historischen Kontext
Es ist ein sehr persönlicher Einblick, den die Arbeit von Paloma Varga Weisz ermöglicht: In der Synagoge Stommeln hat die bedeutende Künstlerin das kleine Atelier ihres Vaters Feri Varga nachgebaut.
Die Ausstellung der Künstlerin Paloma Varga Weisz ist eröffnet
Durch zwei offene Fenster – dazwischen eine geschlossene Tür – wird die abgeschlossene Welt sichtbar und spürbar. Der Gast kann sie von außen betrachten, betreten kann er sie nicht.
Mit diesem Werk, das ihren Namen trägt, setzt Paloma Varga Weisz das renommierte Synagogenprojekt fort. Bei der gestrigen Eröffnung ordnete Guido de Werd, Gründungsdirektor des Museums Kurhaus Kleve und Wegbegleiter der Künstlerin, die Arbeit ein. In seiner Rede thematisierte er das enge Verhältnis von Vater und Tochter. Feri Varga habe seinen Kindern viel aus seinem Leben erzählt, aber seine jüdische Identität stets verschwiegen. Schweigen und Geheimnis trage die Künstlerin wie ein Paket mit sich. Nun setze sie sich besonders beeindruckend mit ihrer Familiengeschichte auseinander.
Das Atelier war ein winziger Raum im Gründerzeithaus in Neustadt an der Weinstraße, oben im 2. Stock, in dem Feri Varga intensiv arbeitete. Das Werk seiner Tochter in der Stommelner Synagoge vermittelt den Eindruck, als sei der Künstler anwesend. Er ist gestaltet mit Original-Werken von Feri Varga und seiner Tochter. Zugleich wird durch die Abgeschlossenheit deutlich: Geschichte kann man wohl erfahren, aber nie mehr erleben oder sich den Nachwirkungen entziehen.
Die 1966 in Mannheim geborene Künstlerin Paloma Varga Weisz studierte von 1987 bis 1990 Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen. Von 1990 bis 1998 schloss sie ein Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Gerhard Merz an. Ihre Arbeiten wurden in bedeutenden Einzelausstellungen präsentiert, beispielsweise in der Kestner Gesellschaft in Hannover, im Salzburger Kunstverein oder im Henry Moore Institute in Leeds. Auch an wichtigen Gruppenausstellungen, unter anderem in der Kunstsammlung Düsseldorf, im Museum of Modern Art London oder auf der Biennale in Venedig, war sie beteiligt.
Mit der aktuellen Arbeit wird nun das Synagogenprojekt fortgeführt, das seit 1991 für eine besondere Erinnerungskultur steht: Künstlerinnen und Künstler wie Jannis Kounellis, Richard Serra, Mischa Kuball, Carl Andre, Rebecca Horn, Lawrence Weiner, Tony Cragg, Rosemarie Trockel, Max Neuhaus, Daniel Buren, Gregor Schneider und Franz Erhard Walther haben sich dabei mit der Synagoge und der mit ihr verbundenen Geschichte auseinandergesetzt.
Die erste stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Rehmann, die für den erkrankten Bürgermeister Frank Keppeler die Gäste begrüßte, wies in ihrer Rede auf die Bedeutung des Projekts hin: Es sei ein Leuchtturmprojekt, das gerade in diesen Zeiten ein helles Licht sende. Zugleich kündigte sie an, dass es auch im kommenden Jahr eine künstlerische Auseinandersetzung mit diesem besonderen Ort geben werde. Der Rat der Stadt Pulheim hatte – auf Vorschlag der Verwaltung – in diesem Jahr beschlossen, die Organisation des Synagogenprojekts auf eine breitere Basis zu stellen: Ein Kunstbeirat setzt seine Kontakte in die kulturelle Szene für das Projekt ein und berät. Dem Beirat gehören unter anderem der Konzeptkünstler und Professor für public art Mischa Kuball ebenso an wie Ursula Frohne, Professorin für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt „Moderne“ an der Universität Münster, Christina Wimmer, Vorstandsmitglied der Stiftung „Der bewohnte Garten“, Karin Lingl, Geschäftsführerin der Stiftung Kunstfonds, sowie Luzia Kilias, Vorsitzende der „Initiative für zeitgenössische Kunst und Musik in Pulheim“ (IZKUMP).
Die Intendanz und die künstlerische Leitung des Projektes liegen weiterhin bei der Kulturabteilung der Stadt Pulheim. Für das Leuchtturmprojekt sind im Haushalt 2026/2027 jährlich 50.000 Euro vorgesehen. Neben der Hauptarbeit wurde das Projekt um zwei weitere Formate ergänzt – einen Vortrag und eine Performance.
Die aktuelle Ausstellung von Paloma Varga Weisz kann bis Sonntag, 6. Dezember 2026, immer freitags von 15 Uhr bis 17 Uhr, sowie samstags und sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Vom 7. Dezember 2026 bis zum 12. März 2027 kann die Ausstellung auf Anfrage besucht werden. Eine Anmeldung ist möglich unter der E-Mail-Adresse kulturabteilung@pulheim.de.
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Die Künstlerin Paloma Varga Weisz (2.v.r.) setzt mit einer sehr persönlichen Arbeit das Synagogenprojekt fort. Zur Eröffnung sprachen die erste stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Rehmann (Mitte) und Guido de Werd (1.v.l.). Der Kunstbeirat, dem der Konzeptkünstler Mischa Kuball (2.v.l.) angehört, unterstützt Sarah-Jane Reed (1.v.r.), die neue Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Pulheim, bei der Fortführung des renommierten Leuchtturmprojekts. © Stadt Pulheim